Die Nürnberger Straße in der Gemarkung Melsungen

Zur Zeit der germanischen Völkerwanderung bildete sich eine Handelsstraße aus, auf der Salz von den Salzgewinnungsgebieten an der Werra nach Westen bis in die Niederlande transportiert und gehandelt wurde. Zu dieser Zeit führte die Straße - Via Silvatica - Waldstraße - heute Sälzerweg genannt - über die Höhen des Schöneberges, den Galgenberg hinunter durch das Georgenfeld. Die Fulda wurde in einer Furt, die später die Hospitalsfurt genannt wurde, durchquert. An dieser Furt siedelten sich Menschen an, die ihre Siedlung Milsungen nannten, was soviel wie „die Leute die am Sumpf wohnen" oder „die am (Gerichts-)Mal wohnen"[1] bedeutet. Ein letzter Überrest dieses Dorfes Melsungen ist die St. Georgskapelle - die Hospitalskapelle. Von hier führte die Straße am Südhang des Heiligenberges vorbei nach Gensungen, wo die Eder durchquert wurde.
Schon bald kam zu dieser Ost-West-Verbindung der Sälzerstraße eine Nord-Süd-Verbindung, die Fuldatalstraße hinzu. Später, als Nürnberg zu einem Handelszentrum geworden war und eine Postlinie nach Nürnberg eröffnet wurde, nannte man diese Straße "Nürnberger Straße".
Von Kassel kommend durchquerte die Straße die Fulda bei Röhrenfurth. In Melsungen durchquerte auch diese Straße die Fulda in der Hospitalsfurt und führte durch das Georgenfeld hinauf zur Karlsschanze[2]. Von dort ging es durch den steilen Pfieffrain hinunter ins Fulda- und Pfieffetal.
Zwischen 1160 und ca. 1170 gründeten die Landgrafen von Thüringen neben dem Dorf Melsungen die Stadt Melsungen als Gegengewicht zur mainzischen Stadt Fritzlar. Die Thüringer hatten nach dem Tode von Gaugraf Giso V. im Jahre 1137 den Hessengau geerbt.
Schon in den ältesten Urkunden über die Stadt wird die Rotenburger Straße erwähnt. Das kann nur bedeuten, dass zur Zeit der Stadtgründung die Hospitalsfurt noch benutzt wurde, um auf der Fuldatalstraße zur Nachbarstadt Rotenburg zu gelangen.
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde an der gleichen Stelle, wo heute die Bartenwetzerbrücke die Fulda überquert, eine steinerne Brücke errichtet. Damit stand den Fuhrleuten und Händlern ein hochwassersicherer Flussübergang zur Verfügung. Dies hatte natürlich auch Auswirkungen auf den örtlichen Verlauf der beiden Handelsstraßen.
Die Sälzerstraße führte nun auf der Route, die wir heute noch kennen durch den Fliedergraben über die Höhen des Riedforstes nach Hessisch Lichtenau. Zahlreiche Hohlwege zeugen noch heute von den Fuhrwerken, die das Salz nach Westen transportierten.
Die Fuldatalstraße - Nürnberger Straße führte nun auf der Viehtrift zum Lindenberg und auf der heutigen Dreuxallee hinauf zum heutigen Apfelweg wo der Kutschengraben auf die Straße traf. Von dort ging es gradlinig zur Karlsschanze. Hier traf die neue Straße auf den alten historischen Verlauf der Straße und führte hinunter ins Pfieffetal. Im Bereich des Lindenberges war der Untergrund recht weich. Dadurch bildeten sich tiefe Hohlwege. In den Hohlwegen war durch die Enge der Hohle ein Begegnungsverkehr nicht möglich, daher gab es hier zwei Hohlwege. Einen für den Verkehr bergan und der andere für den Verkehr bergab. Der westliche Hohlweg wurde bei der Verkopplung[3] eingeebnet und zu einem Feldweg umgebaut. Heute verläuft auf der alten Nürnberger Straße die Dreuxallee. Der östliche Hohlweg ist in seiner ursprünglichen Form am westlichen Rand des Lindenwäldchen erhalten geblieben. Auch am Hang des Wendesberges haben sich in südlicher Richtung Reste eines zweiten Hohlweges erhalten.
 
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Der Hohlweg der alten Nürnberger Straße im Lindenwäldchen. Foto: K.Maurer       


Der Weg von der Karlsschanze zum Pfieffetal wurde durch den steilen Berg des Melsunger Pfieffrains erschwert. Erst im späten 18. Jahrhundert wurde nach einem schweren Postkutschenunfall
[4] mit mehreren Todesopfern die Wegführung durch Bau einer um den Berg herumführenden Straße erleichtert.[5]
Die ungünstige Straßenführung durch den Pfieffrain gab in der Frühneuzeit mehrfach den Grund dazu, den Kurs der Fahrpost von Melsungen weg zu verlegen.
[6] [7]
Die schwierige Wegeführung durch den Pfieffrain hatte für die Stadt Melsungen auch wirtschaftliche Probleme zur Folge. Die Fuhrleute auf der Handelsstraße „Durch die langen Hessen" mieden den Anstieg durch den Pfieffrain und nutzen die Furt bei der Fahre. Das führte dazu, dass im 16. Jahrhundert für die „Langen Hessen" bei der Fahre eine Brücke gebaut wurde, obwohl im nahen Melsungen bereits eine Brücke vorhanden war. Die „Langen Hessen" waren als Ost-West-Verbindung recht bald bedeutender und verkehrsreicher geworden als die Sälzer Straße. Der oben angeführte Postkutschunfall musst sich erst ereignen um den Willen bei den städtischen und staatlichen Stellen zu stärken, die enge Stelle zwischen Pfieffrain und Fulda mit einer Straße zu durchqueren. Vermutlich musste dazu die Fulda etwas verlegt werden.

Kurt Maurer


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Der Verlauf der Nürnberger Straße im südlichen Teil der Gemarkung Melsungens. 
Oben in der  "Kurhessischen Niveaukarte" Stand 1856 - unten in der modernen Topografischen Karte 1:25000. (Quellen s. unten).
Redaktion: Kurt Maurer
 
[1]        Diese Namensdeutung sind nicht wissenschaftlich gesichert.
[2]        Nach heutiger Ansicht wurde die Befestigung weit um 900 n. Chr. angelegt.
[3]        Erste Flurbereinigung Melsungens in den 1890er Jahren.
[4]        Die Postkutsche war umgekippt und den steilen Hang heruntergerollt.
[5]        Landau, Heer- und Handelsstraßen, S.40.
[6]        Armbrust, Melsungen, S.294.
[7]        Wolf, Melsungen..., S 27.

Kartengrundlagen:
Kurhessische Niveaukarte:
Kurfürstlich Hessischer Generalstab: Niveaukarte vom Kurfürstentum Hessen 1:25000 - Blatt 32 Melsungen - Grundriss vom Jahre 1847/48 Fortgeführt im Jahre 1857 auf die durch den Bau der Friedrich Wilhelm Nordbahn verursachten Veränderungen.
Nachdruck des Hess. Landesvermessungsamtes, Schaperstr. 16, 65195 Wiesbaden

Topografische Karte 1:25000 - Blatt 4823 Melsungen
Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, Schaperstr. 16, 65195 Wiesbaden