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800 Jahre Stadt Melsungen - Ein Juwel im Fuldatal
RolleEs war um die Wende des Jahres 1189/90- so ist es urkundlich bezeugt- als Erzbischof Konrad von Mainz den „burgus Milsungen“ für 350 Mark von Thüringen kaufte. Seitdem gilt Melsungen als Stadt, und ihre Ackerbürger und Handwerker hinter der „stadtähnlichen klein Siedlung“ rund um den heutigen Marktplatz, sie wussten vor 800 Jahren nicht vom Laufe der Welt. Sie wussten nicht, dass just zu der gleichen Zeit, als der Kaufvertrag abgeschlossen wurde, sich ihr Kaiser Barbarossa mit einem Kreuzfahrerheer durch die unwegsame Bergwelt Kleinasiens in Richtung “Heiliges Land“ quälte – getrieben von der Idee des „favor imperii“ des Reiches Ehre und ständig verfolgt von türkischen Reiterscharen.

Unmittelbar und hart getroffen waren die Melsunger über Jahrhunderte hinweg von den widerstreitenden Interessen der heimischen Partikulargewalten, den Erzbischöfen von Mainz und den Landgrafen von Thüringen und Hessen sowie deren wechselnde Widersacher. Das begann blutig mit der Zerstörung des „burgus Milsungen“ 1193/94. Dank der günstigen Lage an der Fuldafurt und dem Sälzerweg wurde die Siedlung unter dem Schutze des Landgrafen von Thüringen bald wieder aufgebaut. Auch im 30-jährigen und 7-jährigen Krieg, in der Zeit der französischen Herrschaft zwischen 1806 bis 1813 sowie zu Beginn der industriellen Revolution um die Mitte des vorigen Jahrhunderts waren die Melsunger stets nur Objekte der weltanschaulich- gesellschaftlichen Großen des Reiches. Es waren Zeiten der Verfolgung und Misshandlungen, Not, des Hungers, der Verzweifelung und des Pauperismus, die zahlreichen Bürger mit Hab und Gut nicht nur in die nahen Wälder sondern bis nach Amerika flüchten ließ.

Aber trotz Kriegsgetümmel und Pestzeiten, trotz Feuer- und Wassernot erhielten sie Gottvertrauen und versäumten nicht, sich ihr Apfelbäumchen zu pflanzen. So wandelten sie nach 1350 ihre romanische Pfarrkirche in eine gotische Hallenkirche um, errichteten nach 1554 das jetzige Rathaus, ein architektonisches Juwel, weihten 1596 die „Bartenwetzerbrücke“ ein, befuhren seit 1601 die Fulda ab- und aufwärts und schmückten ihre Stadt mit reizvollen Fachwerkhäusern. In der 2. Hälfte im 19.Jahrhunderts gründeten sie in Ermangelung politischer Mitwirkungsmöglichkeiten Gesellschaften und eine Vielzahl von Vereinen, die z. T. heute noch bestehen. In ihnen suchten und fanden sie Gleichgesinnte, Freunde in Freud und Leid, erfüllte Freizeit und ein Stück des kleinen bescheidenen Glückes, das auf dem Grund der Geborgenheit gedeiht.

Gut 800 Jahre mussten vergehen, bis die Vision vom mündigen Bürger, von verantwortlicher Mitarbeit in Gemeinde und Staat Wirklichkeit wurde. Und nach 800-jähriger Stadtgeschichte ist die Welt so nahe gerückt, dass zur Bewältigung unserer Alltagsprobleme wie selbstverständlich auch die Fürsorge um das Wohl unserer ausländischen Mitbürger, z. B. der Türken aus Kleinasien zählt. Die Hilfe der Bewohner von Koudougou im fernen Afrika, wie für das vor 10-Jahren noch fernere Bad Liebenstein im nahen Thüringen ist ebenfalls uneingeschränkt angenommen worden. –letztes vielleicht auch ein verspäteter Dank für den thüringischen Beitrag zum Wiederaufbau unseres „burgus Milsungen“ vor 800 Jahrhunderten.

All das war Anlass genug zur Freude, zum Feiern – aber auch zur Dankbarkeit für die geschenkte Freiheit als Friedensgabe zur Feier „800 Jahr der Stadt Melsungen“ im Sommer 1990.

Und Melsungen heute.......

Erich Brill (Auszug aus einem Bericht des Jahrbuches 1991)
 

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